Ein Tag mit den Kindern und ihren Bäumen

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die lange in Erinnerung bleiben.

Vor einigen Tagen durfte ich gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern der Grundschule Clausen-Donsiedersetwas Besonderes erleben: Wir haben gemeinsam Obstbäume gepflanzt.

Auf einer gemeindeeigenen Fläche unterhalb der Talstraße soll in den kommenden Jahren eine kleine Obstwiesenlandschaft entstehen. Für mich war dabei aber nicht nur wichtig, dass am Ende sechs neue Bäume in der Erde stehen. Viel wichtiger war mir, dass die Kinder selbst erleben, wie aus einer kleinen Pflanze mit der richtigen Pflege einmal ein großer Baum werden kann.

Erst verstehen, dann pflanzen

Bevor wir zu Schaufel und Spaten griffen, haben wir uns zunächst mit den Bäumen beschäftigt. Welche Obstsorten wachsen eigentlich bei uns? Was braucht ein junger Baum, damit er gut anwachsen kann? Und wie pflanzt man einen Obstbaum richtig?

Die Fragen der Kinder waren dabei mindestens genauso spannend wie die Antworten.

Anschließend wurde es praktisch. Die Kinder teilten sich in sechs Gruppen auf und machten sich gemeinsam mit mir und Ortsbürgermeister Jens Dresen an die Arbeit. Jede Gruppe pflanzte ihren eigenen Baum.

Es war schön zu sehen, mit wie viel Begeisterung die Kinder dabei waren. Da wurde gegraben, Erde bewegt, der Baum ausgerichtet und anschließend gemeinsam dafür gesorgt, dass er gut und sicher in seinem neuen Zuhause steht.

Am Ende hatte jede Gruppe ihren eigenen Baum.

Und genau das gefällt mir an dieser Aktion besonders: Die Kinder haben jetzt „ihren“ Baum. Sie können in den nächsten Jahren immer wieder vorbeikommen und sehen, was aus ihm geworden ist.

Vielleicht erinnern sie sich irgendwann daran, wie sie selbst einmal mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern an dieser Stelle standen und diesen kleinen Baum gepflanzt haben.

So wird Natur zu etwas Persönlichem.

Viele helfende Hände

Damit wir überhaupt pflanzen konnten, war allerdings schon vorher einiges an Arbeit notwendig. Der Boden war durch die lange Trockenheit sehr fest geworden. Ohne die Unterstützung des ortsansässigen Lohnbetriebs Michael Kaiser und von Marc Freiberger Garten- und Landschaftsbau wäre die Vorbereitung der Fläche und der Pflanzlöcher erheblich schwieriger gewesen.

Michael Kaiser legte die Fläche entsprechend frei, während Marc Freiberger die Pflanzlöcher vorbereitete. Gerade bei dem harten Boden hätte das Ausheben von Hand viele Stunden gedauert.

Ich möchte mich deshalb auch an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich für die unkomplizierte Unterstützung bedanken.

Überhaupt war diese Pflanzaktion ein schönes Beispiel dafür, was entstehen kann, wenn viele Menschen ein gemeinsames Ziel haben.

Die Waldeffekt-Stiftung konnte das Projekt durch eine Förderung aus einem LAG-Kleinstprojekt ermöglichen. Die Baumschule Rithaler stellte einen von insgesamt elf Bäumen sowie das Befestigungsmaterial zur Verfügung. Von der Schäferei Mosis bekamen wir Schafwolle, die bei der Pflanzung verwendet wurde. Und auch die Feuerwehr Clausen ist mit dabei und übernimmt das notwendige Gießen der jungen Bäume.

Jeder hat ein Stück beigetragen – und am Ende steht etwas Gemeinsames da.

Auch die Viertklässler waren fleißig

Auch die Viertklässler waren bereits einen Tag vorher aktiv. Sie haben am Ortseingang von Donsieders Lücken in der dort bereits bestehenden Obstbaumreihe geschlossen.

Damit haben auch sie dazu beigetragen, dass die Obstbaumlandschaft rund um Clausen weiter wächst.

Doch eigentlich beginnt die Geschichte jetzt erst

Die Fläche unterhalb der Talstraße soll sich in den kommenden Jahren Schritt für Schritt weiterentwickeln. Die Ortsgemeinde möchte daraus eine öffentlich zugängliche Obstwiesenlandschaft machen – einen Ort, an dem jeder willkommen ist.

Eine Bank soll zum Sitzen und Verweilen einladen. Im kommenden Jahr soll außerdem ein kleiner Unterstand entstehen, dessen Finanzierung die Waldeffekt-Stiftung übernimmt.

Und wenn die Bäume irgendwann groß genug sind und ihre ersten Früchte tragen, dürfen diese auch von den Menschen aus Clausen für den eigenen Bedarf gepflückt werden.

Ich finde, genau so sollte eine solche Fläche funktionieren: Sie soll nicht einfach irgendwo im Ort stehen, sondern von den Menschen angenommen und mit Leben erfüllt werden.

Ein kleines Stück Zukunft

Wenn ich an den Pflanztag mit den Grundschulkindern zurückdenke, bleibt deshalb vor allem ein schönes Gefühl.

Wir haben an diesem Tag nicht einfach sechs Obstbäume gepflanzt.

Wir haben gemeinsam etwas begonnen, das Zeit braucht.

Die Kinder werden wachsen. Die Bäume werden wachsen. Die Wiese wird sich verändern. Und vielleicht sitzen irgendwann genau diese Kinder als Erwachsene auf einer Bank unter den Bäumen und erinnern sich daran, wie sie damals ihren ersten Obstbaum gepflanzt haben.

Für mich ist genau das der Gedanke hinter Waldeffekt: Natur nicht nur zu schützen, sondern sie gemeinsam zu erleben, Verantwortung zu übernehmen und etwas entstehen zu lassen, das bleibt.

Ein kleines Stück Zukunft – gepflanzt von Kinderhänden.

Danke an alle helfenden Hände!

Michael